Bell T-AH-1F Cobra

Der fliegende Filmstar

Stars werden oft Allüren nachgesagt ein Vorurteil, das die Flying Bulls bei ihrem Hollywood-Import nicht bestätigen können. Allerdings wurde die Bell T-AH-1F Cobra auch militärisch gedrillt.

Aber von Anfang an: Der Urahn unserer Cobra war bei seiner Auslieferung 1966 der erste reine Kampfhubschrauber der Welt und sollte es lange Jahre im Dienst der US Army bleiben. Der Bedarf zeigte sich erstmals im Vietnamkrieg. Hubschrauber wurden im großen Stil zur Beförderung von Material und Truppen eingesetzt – für den eigenen Schutz jedoch konnten weder sie selbst noch die Kampfflugzeuge der Air Force sorgen. Das Anforderungsprofil der Cobra war geboren: Sie sollte schnell sein und gleichzeitig eine hohe Feuerkraft bieten. Neu war auch die extrem schlanke Silhouette, die bei Angriffen lediglich eine minimale frontale Trefferfläche bietet.

Daraus resultierte ihr Tandemsitz, bei dem der Bordschütze den vorderen, der Pilot den hinteren Platz einnimmt. Die Cobra verrichtete in zahlreichen Varianten bis Ende der 1980er Jahre ihren Dienst in den unterschiedlichsten Einheiten des US-Militärs, bis sie vom „Apache“ abgelöst wurde. Nur das Marine Corps setzt nach wie vor auf die Agilität und die Zuverlässigkeit einer Nachfolgeversion. Die Cobra der Flying Bulls stammt aus der letzten Baureihe des Modells und wurde als Schulmaschine eingesetzt. Zumindest trifft dies auf den Rahmen des Helikopters zu, denn mehr fand Chuck Aaron, ein bekannter Hubschrauberpilot und -sammler, nach ihrer Demilitarisierung nicht vor.

Ihr Comeback feierte die Cobra 2002, nachdem sie ausschließlich mit Originalteilen wieder aufgebaut worden war. Und zwar mit wachsendem Erfolg, der bald über die Grenzen von Flugshows hinaus reichen sollte. Es folgten Rollen in US-Serien wie „JAG – im Auftrag der Ehre“ und „Walker, Texas Ranger“ sowie zahlreichen Werbespots. Wenn auch Ihnen die Cobra bekannt vorkommt, dann vielleicht aus dem Kino: Im Action-Streifen „The Rock“ mit Sean Connery hatte sie einen denkwürdigen Auftritt – übrigens mit Chuck Aaron am Steuerknüppel. Auf dem Höhepunkt ihrer Hollywoodkarriere wurde die Cobra 2004 von den Flying Bulls entdeckt. Dass sich die Exportgenehmigung fast über zwei Jahre hinzog, lag weniger an einer Künstlergewerkschaft als an den rigiden US-Exportbestimmungen für ehemaliges Kriegsgerät. Noch heute benötigt jedes Ersatzteil, und sei es nur eine Beilagscheibe, eine Bewilligung des US-Militärs.

Seit Dezember 2005 macht die Cobra nun jede Flugshow in Europa zu Festspielen für Aviatik-Liebhaber. Auch Heidi Klums Mädchen von Germany's next Topmodel lernten die Bell näher kennen, als sie für ein Fotoshooting unter der über ihnen fliegenden Maschine Standfestigkeit beweisen mussten. Beim Piloten sorgt dagegen der 1.850 PS starke Turbinenantrieb für Lampenfieber, der die um fast zwei Tonnen Elektronik- und Bewaffnungsbalast erleichterte Maschine auf bis zu 350 km/h beschleunigt. Und das im Vergleich zu anderen Hubschraubern fast lautlos dank der Rotorblätter aus Composite-Materialien. Aber diese Zurückhaltung ist es eben auch, die echte Stars von Sternchen unterscheidet.

Weiterführende Informationen

Sigi ‘Blacky’ Schwarz’s Logbuch

Sigi ‘Blacky’ Schwarz’s Logbuch

Nach der Ausmusterung der Cobra aus der US Army tauchten auch bald die ersten Exemplare als Sammlerobjekte auf dem Markt auf. Eine solche Chance wollten wir uns nicht entgehen lassen, denn normalerweise ist es für einen Zivilpiloten so gut wie unmöglich, einen militärischen Hubschrauber zu fliegen.

Noch dazu eine Cobra, die als „Jet“ unter den Helikoptern galt. Unsere ersten Versuche, eine Cobra zu erwerben, schlugen allesamt fehl. „Sorry, too late“, war die Standardauskunft, wenn es in die Verhandlungsphase gehen sollte. Der Grund: Mit Beginn des zweiten Irakkriegs waren die Maschinen bei Sicherheitsfirmen heiß begehrt, die die Cobras als Begleitschutz für Konvois einsetzten. Über zahlreiche Ecken erfuhr ich schließlich, dass Chuck Aaron, Kunstflugpilot und lebende Pilotenlegende, eine Cobra verkaufen wollte.

Chuck war zu dieser Zeit Eigentümer eines Unternehmens aus Los Angeles, das Hubschrauber an Filmproduktionen vermietete. Wir wurden uns einig und Chuck wenig später Teil der Flying Bulls. Blieb noch die Überführung nach Salzburg. Wir hatten zuerst die Idee, den gleichen Weg wie mit unseren Flugzeugen zu wählen: über Grönland nach Europa. Ein abenteuerlicher Plan zwar, denn die Reichweite der nur mit einem Triebwerk ausgestatteten Cobra beträgt lediglich 500 km. Trotzdem erklärte sich Sigi Angerer mit einem Funkeln in den Augen sofort bereit, mich auf dem Flug zu begleiten.

Pläne für zusätzliche Treibstofftanks wurden geschmiedet, denn es galt nicht nur die Distanz zurückzulegen, sondern auch mehrere 3.000 Meter hohe Berge zu überfliegen. Leider hätte der Umbau so viel Zeit verschlungen, dass die Überführung 2005 nicht mehr möglich gewesen wäre. Also flog ich die Cobra etappenweise bis nach Georgia, wo sie schließlich nach Bremerhafen verschifft wurde. Der verpassten Gelegenheit und Herausforderung eines Cobra-Flugs über Grönland trauere ich bis heute hinterher. Und Sigi Angerer geht es – trotz seiner zahlreichen Überführungsflüge in Flugzeugen auf dieser Route – nicht viel anders.

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