Cessna 208
Der fliegende Katamaran
Die Cessna 208 Caravan Amphibian ist eines der jüngsten Flugzeugexponate im Hangar-7. Der weissblaue Wasservogel lief 1996 in Wichita / Kansas vom Stapel und it seit 2001 Familienmitglied der Flying Bulls.
Die Cessna Caravan im Hangar-7 ist nicht für das Wasser gebaut, sondern wurde erst Jahre nach ihrem Erstflug mit Schwimmern ausgestattet. Nun ist sie ideal für Piloten, die nahe am Wasser gebaut sind, für Naturfreunde und Einzelgänger, die auf der Suche nach Stille, Einsamkeit und sich selbst sind. So gesehen ist die Caravan ein romantisches Flugzeug, das die Elemente Wasser und Luft emotional verbindet und technisch souverän meistert. Mit ihr lässt sich in entlegene Seengebiete und verwunschene Fjords vordringen oder gemütlich-genüssliches Insel-Hopping betreiben.
Sie kann nämlich auf Wasseroberflächen starten und landen – das ist ihre Spezialität: Zwei hydrodynamische Aluminium-Schwimmer ermöglichen dem Flugzeug schon bei geringen Geschwindigkeiten einen Start vom Wasser. „Sea-“ oder „Floatplanes“ werden oft in den inselreichen Gebieten Griechenlands oder der Karibik verwendet, sowie für Versorgungs- und Transportflüge in schwer zugänglichem Binnenland. Die Idee vom Flugboot findet sich bereits in den Skizzenbüchern Leonardo da Vincis. Der Jungfernflug eines Wasserflugzeugs fand 1901 – beinahe – statt, übrigens nicht am fernen Ozean, sondern in Niederösterreich. Wilhelm Kress hieß der tollkühne Mann in seiner fliegenden Kiste, eigentlich nicht viel mehr als eine Drachenfliegerkonstruktion, die er beim Ausweichen vor einem Ruderboot auf dem Wienerwaldsee spektakulär bruchlandete und versenkte. Dennoch eine beachtliche Pionierleistung, wenn man bedenkt, dass die Kitty Hawk der Gebrüder Wright erst zwei Jahre später zu ihrem Flug in die Annalen der Aviatorik abhob. Neun Jahre später gelang dem französischen Ingenieur Henri Fabre bei Marseille die erste geglückte Wasserlandung mit seiner Hydravion. Das erste Wasserflugzeug im Linienverkehr war 1915 am K. und K. Marinestützpunkt Pula stationiert und schon während der 30er Jahre beruhte der transatlantische Luftverkehr zum Großteil auf dem Einsatz von Wasserflugzeugen. Bis heute hat sich der Typus mit Doppelschwimmern am nachhaltigsten durchgesetzt, im Laufe des 20. Jhdts. wurden auch zahlreiche Varianten getestet: etwa das bootsförmige Flugboot und der 3-Schwimmertyp.
Beide Modelle wurden aber wegen des hohen Luftwiderstandes bald wieder eingestellt. Auch Hydroflügel oder Schikufen konnten sich langfristig nicht wirklich durchsetzen. Die Cessna Caravan wurde zu Beginn der 80er Jahre in Wichita, Kansas, für den Passagier- und Frachttransport konzipiert. Sie ist 11,46 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von knapp 16 Metern, ist 4,32 Meter hoch und verfügt über eine Reichweite von 1. 700 Kilometern. Angetrieben wird sie von einem Pratt & Whitney PT6-Turbinenmotor und einem dreiblättrigen, verstellbaren Hartzell- Propeller. Das Unterfangen, mit einem einmotorigen Flugzeug über den Atlantik zu fliegen, eine Distanz von immerhin 5500 Kilometern, ist eine risikoreiche Herausforderung. Hin und wieder kann es passieren, dass der Motor ausfällt, was bereits bei einer zweimotorigen Maschine eine heikle Angelegenheit ist, bei einer einmotorigen jedoch sehr wahrscheinlich sehr fatale Folgen haben kann. Der richtige Mann für derlei Distanzflüge ist Sigi Angerer. Er flog die Caravan gleich zweimal über den großen Teich.
Nicht unbedingt aus Hetz an der Freud', sondern weil sie im Jahr 1999 auf Wunsch ihres Vorbesitzers die Sommerferien in Tirol verbrachte. Dass sie ihre Homebase schon bald dauerhaft in Salzburg haben würde, konnte damals noch (fast) niemand wissen. Aber Übung macht den Meister und bei den hunderten Nordatlantik-Überquerungen Angerers kam es auf diese beiden Extra-Exkursionen auch nicht mehr an. Eigentlich ist ein Flieger dieser Größe nur im kommerziellen Einsatz rentabel und in Privatverwendung äußerst selten. Was an der Caravan noch außergewöhnlich ist: ihre Schönheit in Sachen Design und Farbgebung und ihr angenehm leises Motorengeräusch. Romantisch wie gesagt.
Weiterführende Informationen
Sigi Angerer's Logbuch
Wie ich zur Caravan kam? Mein Freund Christian Schwemberger hatte eine Idee: machbar und nicht allzu teuer. Eine Cessna Caravan, ein einmotoriger Flieger mit Platz für 12 Personen, aber mit Schwimmern! Damals ein wahrer Luxus. Besonders für das Gebirgsland Tirol, aber wir hatten ja den Gardasee in der Nähe. Da Didi Mateschitz und ich gerade in den USA weilten, machten wir einen Abstecher nach Toronto, um so was mal Probe zu fliegen. Die Caravan flog überraschend geschmeidig, ein Teil des Schwimmergewichtes wurde ja durch das fehlende Fahrwerk ausgeglichen, wenn auch die Schwimmer ca. 25 Knoten der Reisegeschwindigkeit kosteten.
Wir hatten es aber nicht eilig und flogen nach Norden zu einer Insel mit Restaurant. Wir bekamen vorzüglichen Fisch vorgesetzt und nur mit Mühe konnte ich verhindern, dass das Restaurant samt Insel an jenem Tag gleich in österreichische Hand überging. Von der Caravan war ich natürlich auch begeistert, und C.S. bestellte sie. Im Jahr darauf holten wir das neueste Modell in Wichita ab und flogen sie nach Minneapolis, wo sie mit Schwimmern ausgestattet wurde, die auch Räder haben. Dann, einige Wochen später übernahmen wir unser Amphibium, bekamen eine gute Einschulung und flogen auf einigen Umwegen nach Florida, wo West Palm Beach ihr neuer Heimathafen wurde.
Wir landeten nach Herzenslust auf Flüssen und Seen, übernachteten wo wir wollten im Flugzeug (zum Glück in der Gewissheit dass es einen guten Anker hat) und genossen das herrlichste Fliegerleben. Der Hangar war auch schon fertig, ich hatte die Flugzeugabmessungen dem Baumeister gegeben, der noch einen Sicherheitszuschlag einräumte und zudem hatte C.S. noch etwas mehr an Größe angegeben, damit wir nirgends anstoßen, jedenfalls hatte er am Schluss genug Platz für eine DC-3. Didi und ich konnten das Flugzeug jederzeit ausborgen und so verbrachten wir einen großen Teil unserer Freizeit mit der Erforschung Floridas und seiner Umgebung.
Wir starteten immer pünktlich um 8.00 Uhr morgens, man fragte uns schon, „what kind of operation“ wir wohl haben. Monate später bei einem Mittagessen auf Walkers Cay / Bahamas fragte C.S.: „Na, wann kaufst dir jetzt eine Caravan?“ Antwort Didi: „In zwei Jahren. Deine!“ C.S.: „Blödsinn. Die verkaufe ich nie!“ Wir hatten sie schon ein Jahr später, nachdem wir dreimal den Atlantik überquert hatten. Eines Tages, ich steuerte gerade über den Südring in Innsbruck, rief mich C.S. an: „Ich hätte die Caravan gern im Sommer in Tirol, kannst du einen Profi zur Überstellung beauftragen?“ Ohne zu zögern sagte ich: „Ich bin Profi. Ich beauftrage mich selbst...“ Nach dem Telefonat dachte ich, eigentlich kenne ich nur Lindbergh, der das vor mir einmotorig gemacht hatte und mit Schwimmern über den Atlantik schon gar nicht, aber wir würden ja sehen!
Doch das wird dann die Geschichte, wie Red Bull zur Caravan kam.
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