
Sie setzte neue Maßstäbe in der militärischen Luftfahrt und war in der US Air Force heiß geliebt: die Lockheed P-38 Lightning. Der Jagdbomber sorgte im zweiten Weltkrieg nicht nur mit seiner Drei-Rumpf-Konstruktion für Aufsehen, sondern auch mit seinen durchwegs erfolgreichen Einsätzen. Über 70 Jahre nach der Geburtsstunde erheben sich weltweit nur noch wenige P-38 majestätisch in die Lüfte – eine davon steht seit Anfang März 2009 in Salzburg. Die Flotte der Flying Bulls sowie der Hangar-7 sind somit um ein fantastisches Prunkstück reicher.
Am Montag, den 9. März 2009, ist ein US-Nationalheiligtum aus der Luftfahrtgeschichte in Salzburg gelandet. Weltweit sind nur noch eine Handvoll der ruhmreichen P-38 Lightnings intakt, eine davon hat für immer ihren Horst im Hangar-7 gefunden. Die Maschine aus der Flugzeugwerft von Lockheed gilt als absolutes Liebhaberstück und wird sich künftig unter der Sonne der Roten Bullen in die Luft erheben. Das Exemplar hat bereits viele spannende Geschichten erlebt: So auch die Reise vom amerikanischen Festland nach Salzburg, die entgegen des Namens nicht schnell wie der Blitz, sondern aufwändig vor sich ging.
„Unser gemeinsamer Weg hierher war lang und abenteuerlich, aber wir sind schließlich gut und ohne Probleme in unserer neuen Homebase gelandet“, weiß Pilot Sigi Angerer zu erzählen. Ein Flug über den Nordatlantik wäre technisch zwar möglich gewesen, schien aber auf Grund des fortgeschrittenen Alters der Maschine doch zu riskant. So entschied man sich das inzwischen für die zivile Luftfahrt zugelassene Flugzeug von Kontinent zu Kontinent zu verschiffen – und zwar in einem Stück.
Neben vielen bürokratischen gab es auch so manch anderes Hindernis zu überwinden. Nach dem Abflug aus Texas setzte die P-38 in Pensacola, Florida, zur Zwischenlandung an. Von dort aus wurde sie über die Straße die restlichen Kilometer bis zum Hafen geschleppt. Die Lightning musste mehrmals per Autokran über sonst unüberwindliche, weil zu enge, Straßenstücke gehoben werden. Schlussendlich verließ sie per Kran endgültig den amerikanischen Boden und verschwand im Stahlbauch der „Flintereems“.
Über den Golf von Mexiko mit dem Zwischenziel Karibik führte die Reise über den Atlantik vorbei an den Azoren und über den Ärmelkanal bis nach Rotterdam. Im Hamburger Hafen erreichte die P-38 erstmals das Festland und durfte am 06. März europäische Luft schnuppern. Obwohl die Verschiffung einiges an Zeit in Anspruch genommen hatte, ist der Besatzung nie langweilig geworden. Auf Grund stürmischer See mussten die Spanngurte im Rumpf des Schiffes mehrmals täglich kontrolliert und nachjustiert werden, um einen sicheren Transport zu gewährleisten.
In Hamburg durfte Sigi Angerer endlich den Startknopf der beiden Allison-Motoren drücken und die Reise anstatt mit rund elf nautische Knoten (= 20 km/h) mit bis zu 500 Kilometern pro Stunde fortsetzen: Die P-38 war endlich wieder in ihrem Element, der Luft, angekommen. Auf Grund der wechselnden Wetterbedingungen musste der Anflug auf die neue Basis mehrmals verschoben werden. So dauerte es, samt Zwischenlandung in Oberpfaffenhofen, keine zwei Stunden, bis der stolze Vogel seine außergewöhnlichen Flügel über der Stadt Salzburg präsentierte und schließlich zur sicheren Landung vor dem Hangar-7 abdrehte. Dort setzte die Lightning um punkt 17:32 unter großem Applaus der Flying Bulls Crew auf.
Name: P-38 Lightning
Spitzname: „Gabelschwanzteufel“
Hersteller: Lockheed
Erstflug: 27. Januar 1939
Produktionszeit: 1941 bis 1945
ursprüngliche Funktion: Abfangjäger und Jagdbomber
Besonderheit: Drei-Rumpf-Konstruktion, Wendigkeit
Länge: 11,55 m
Spannweite: 15,88 m
Höhe: 2,99 m
max. Reichweite: 3.620 km
Motor: 2x Allison V-1710-27
Höchstgeschwindigkeit: 666 km/h