Dassault-Breguet-Dornier Alpha Jet

Der domestizierte Raubvogel

Der Dassault-Breguet-Dornier Alpha Jet ist der Youngtimer unter den Oldtimern in der Flotte der Flying Bulls. Und doch war es bei keinem anderen Flugzeug so zeitintensiv, es in die Luft zu bekommen. Technische Gründe waren dafür allerdings nicht verantwortlich.

Einen Militärjet zu erwerben, ist schon für Staaten nicht einfach. Bündnisvereinbarungen müssen beachtet und daumendicke Verträge unterschrieben werden. Die Bestimmungen für den Verkauf an Privatorganisationen dagegen sind sehr übersichtlich – denn sie sind schlichtweg nicht existent. Als in Sigi Angerer auf einer Luftfahrtausstellung zum ersten Mal die Idee aufkeimte, einen Alpha Jet zu erwerben, stieß er bei seiner Crew auf fragende Gesichter. Einen Militärjet in ein flugfähiges, ziviles Flugzeug umzuwandeln hatte zuvor noch niemand gewagt.

Dass die Wahl auf den Alpha Jet fiel, lag an seinen ausgezeichneten Flugeigenschaften, vor allem aber spielte die Antriebstechnologie eine Rolle: Sein Turbofan- Triebwerk ist von der Geräuschentwicklung deutlich leiser als die Antriebe anderer Jets. Ursprünglich wurde der Alpha Jet als Trainer für die Pilotenausbildung und als leichtes Kampfflugzeug in einer deutschfranzösischen Kooperation entwickelt. Von der deutschen Luftwaffe wurden zwischen 1979 und 1983 insgesamt 175 Dornier-Alpha-Jets angeschafft. 1993 und 1994 folgte die Auflösung der Alpha-Jet-Geschwader. Es verblieb lediglich eine Fluglehrgruppe, die die taktische Grundausbildung zukünftiger Tornado-Besatzungen bis 1997 durchführte, bevor der Alpha Jet endgültig außer Dienst gestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurden von Seiten der Flying Bulls erste Kontakte geknüpft. Zuerst konnten zwei Museumsexemplare ersteigert werden, bevor völlig überraschend das Angebot für zwei flugfähige Maschinen eintraf – und ohne Zögern angenommen wurde.

Die Jets wurden grundüberholt und flugtauglich gemacht. Die eigentliche Arbeit begann allerdings erst danach und kostete Harald Reiter, den Geschäftsführer der Flying Bulls, einige hundert Stunden am Telefon, bei Verhandlungen mit Ministerien und in Amtsstuben von Behörden. Dank seiner Hartnäckigkeit und seines diplomatischen Geschicks schließlich gelang nach vier Jahren das, was zuvor als undenkbar galt: Zwei ehemalige Militärjets erhielten nach ihrer Entmilitarisierung eine zivile Verkehrszulassung in Deutschland. Jetzt galt es noch eine letzte Hürde zu meistern: Da bis dahin diese Flugzeugklasse in der zivilen Luftfahrt nicht existierte, gab es auch keine Ausbildungsrichtlinien, geschweige denn Fluglehrer. Die „Umschulung“ übernahm deshalb ein ehemaliger Luftwaffenausbilder. Im März 2002 schließlich absolvierten die beiden Alpha Jets ihren Jungfernflug als zivile Flugzeuge.

Dass die Flotte der Flying Bulls mittlerweile vier Exemplare dieses Typs umfasst, liegt nicht nur am absolut störungsfreien Flugbetrieb, sondern auch an ihrem äußerst unkomplizierten Flugverhalten. Trotz der aus Lärmschutzgründen um fünf Prozent reduzierten Drehzahl sind Höchstgeschwindigkeiten von 1000 km/h problemlos möglich. Die Strecke Salzburg - Wien verkürzt sich bei dringenden Terminen damit auf 27 Minuten. Lastvielfache von bis zu 7,5 g erlauben extreme Flugmanöver – schließlich ruht unter dem bunten Fiederkleid immer noch das Herz eines Raubvogels.

Weiterführende Informationen

Sigi Angerer's Logbuch

„Wirklich schnell“ fliegen!

Jeder junge Pilot träumt einmal davon in einem „Düsenjäger“ zu sitzen. So auch ich! Ausborgen kann man so etwas nicht, es geht nur über Militär oder Millionär! Eigentlich kam ja nur der Alpha Jet in Frage, er hatte damals schon Fan-Triebwerke, 2-motorig, der Falcon 100 sehr ähnlich, und war wunderschön. Mein Freund Christian Schwemberger, der eine Falcon 100 hatte, war leicht zu überreden, dass wir auch einen zweisitzigen „Businessjet“ brauchen könnten.

So hatte ich damals Anfang der 80er-Jahre ein ansehnliches Budget. Die Jahre vergingen mit Gesprächen bis in die höchsten Ebenen, doch niemand verkaufte einem jungen Österreicher einen Alpha Jet! Auf einer Ausstellung in Friedrichshafen zeigte ich Didi Mateschitz (er war gerade am Beginn seiner Fliegerei) das Objekt meiner Begierde. Allem Schönen aufgeschlossen wie er ist, fand er meine Idee gut, aber ich glaube die Piper war ihm lieber. Allmählich wurden einige Ersatzteile vom Alpha Jet zum Verkauf angeboten, man belächelte mich etwas, ich hatte nun drei nagelneue Flügel zu Hause. Weitere Jahre vergingen, Didi flog die Falcon 100, gelegentlich sprachen wir vom Alpha Jet.

Dann kam die Meldung: 2 Flugzeuge werden versteigert! Nur für Museumszwecke verwendbar, die Flügelholme müssen angesägt werden um die Flugzeuge für immer flugunklar an den Boden zu fesseln. Aber ich hatte ja ein paar Flügel zu Hause, da könnte man ja mit ein wenig Schrauben …! Wir ersteigerten beide Alpha Jets!! Nun kam Harald Reiter ins Spiel, durch seine geschickten Verhandlung konnten wir die Deutsche Luftwaffe überzeugen, dass wir doch einigermaßen vernünftige Leute sind und keinen Krieg führen wollen. Tatsächlich konnten wir dann einen flugfähigen Alpha Jet kaufen, nach vielen weiteren zähen Verhandlungen erlangten wir von der Deutschen Luftfahrtbehörde eine vorläufige Verkehrszulassung und es gab nun auch schon die Flying Bulls! Nach einer gründlichen Überholung bei Dornier übernahmen wir einen neuwertigen Alpha Jet in Fürstenfeldbruck.

Am 27. März 2002, 20 Jahre nach dem Erstversuch, ging einer meiner großen Fliegerträume in Erfüllung – ich landete den ersten zivilen ALPHI in Oberpfaffenhofen! Er flog genau nach meinen Vorstellungen, der wichtigste Teil des Alpha-Jet-Unternehmens war geschafft, aber so „wirklich schnell“ ging das nicht!

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