Pilatus Porter PC-6
Der Himmelsbote
Sie ist nicht schön. Sie ist nicht schnell. Und trotzdem war die Pilatus Porter PC-6 der Traum vieler junger Männer, der 2005 endlich Wirklichkeit wurde: ein eigenes Absetzflugzeug für die Fallschirmspringer in Diensten von Red Bull.
Fragt man Sigi Angerer, den Chefpiloten der Flächenflügler der Flying Bulls, nach der Pilatus, meint man einen Anflug von Mitleid in seinem Gesicht erkennen zu können. Ein Blick auf die Porter im Hangar- 8 neben Schönheiten wie der Corsair, der B-25 und der Trojan und man weiß warum: Der einmotorige Schulterdecker hat nichts von der Eleganz und Anmut seiner großen Schwestern. Und trotzdem hat die Pilatus bei ihrer Ankunft bei den Flying Bulls wie kaum eine andere Maschine für Freude gesorgt. Bevor es so weit war, führte die Maschine das Leben einer Abenteurerin in Ecuador. Zuerst im Dienste einer Ölfirma, später bei Verletzten-, Passagier- und Cargo-Flügen im Dschungel.
2004 wurde die Porter dann von den Pilatus-Werken zurückgekauft und kurz darauf von den Flying Bulls erstanden. Ausgerüstet mit einer Propellerturbine, festem Fahrwerk und Spornrad verfügt die PC-6 über hervorragende Kurzstart- und Landeeigenschaften – auch auf unbefestigten Pisten. Ein Grund, warum die Porter in Fallschirmspringerkreisen so beliebt ist. Für ihre neue Einsatzbestimmung bei den Flying Bulls erhielt die Maschine ein neues Interieur und wurde einer technischen Grundüberholung unterzogen. Nicht zuletzt wegen ihrer neuen attraktiven Lackierung zählt die Porter heute zu den schönsten Absetzflugzeugen, die bei ihren Einsätzen immer viel Beachtung findet. Für die Fallschirmspringer des Heeressportverein/ Sektion Fallschirmsport (HSV) ging bei der Ankunft der Pilatus im Hangar-8 der lang gehegte Wunsch nach einem eigenen Absetzflugzeug in Erfüllung. Die „Ehe“ zwischen den Fallschirmspringern und Red Bull begann bereits in den frühen 1980er Jahren.
Die Markenbotschaft „Verleiht Flügel“ wurde von den wagemutigen Männern perfekt mit Leben gefüllt. Mit ihren gebrandeten Schirmen waren sie Zuschauerattraktionen auf vielen Red Bull Events wie dem Air & Style in Innsbruck oder der Eröffnung des Hangar-7. Mit einem großen Vorteil, wie Hans Huemer, der Leiter des heutigen Red Bull Skydive Teams und Organisator zahlreicher Flugshows erklärt: Während das Genehmigungsverfahren für Darbietungen der Flying Bulls bei großen Veranstaltungen recht zeitintensiv sein kann, ist die Erlaubnis für die Fallschirmspringer meist umgehend erteilt. Zudem lassen sich die Sportler durch ihre flugtechnische Flexibilität und ihre Nähe zum Publikum äußerst effektiv einsetzen. Mitte der 1990er Jahre wurden die Springer des HSV verstärkt für Incentive- Veranstaltungen angefragt.
Nahezu 200 Tandemsprünge kamen pro Jahr zusammen. Dazu viele Fallschirm-Vorführungen bei diversen Veranstaltungen, von Schweden bis Südafrika. Der Schritt zur Professionalisierung erfolgte 2008, um den vermehrten Anfragen für Demo-Sprünge, dem hohen Wartungsaufwand der Ausrüstung und den Anforderungen an die Fitness gerecht zu werden. Neben Hans Huemer bilden fünf Springer das Red Bull Skydive Team. In der Schwarzenbergkaserne hat das Team seine Basis beim HSV. Ihre zweite Heimat haben die Sportspringer im Hangar-8 – natürlich auch wegen der Pilatus Porter.
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Hans Huemers Logbuch
Hans Huemers Logbuch
Dass an dieser Stelle Sigi Angerer oder Blacky Schwarz für gewöhnlich von ihren Erlebnissen mit ihren Flugzeugen oder Helikoptern erzählen, bringt mich bei meinem Logbuch ein wenig in Verlegenheit. Schreibe ich über die Flugeigenschaften meines Fallschirms, würden die meisten Leser ob der zahlreichen thermischen und technischen Schilderungen, möglicherweise auch wegen der leidenschaftlichen Hommage an meine treuen Begleiter wohl weiterblättern. Bleibe ich also auch bei einem Flugzeug, und zwar dem, das für mein Skydive Team reserviert ist: der Pilatus Porter.
Für alle Nichtflugzeugkenner: Kaum ein anderes Flugzeug ist so flexibel, was Starts und Landungen auf engstem Raum betrifft. Diese Maschine ist so etwas wie das Muli unter den Flächenflugzeugen, ein echtes Arbeitstier. Nicht eine Spur sexy oder sportlich. Und beim Motto „Form follows Function“ hat der Designer bestimmt an keine netten Aufgaben für die Maschine gedacht. Die Leistung? 100 Knoten Spitzengeschwindigkeit erreicht sie, wenn der Wind gnädig ist. Vor Unfällen mit Vögeln braucht man sich da nicht wirklich fürchten, im Gegenteil. Wenn, dann haben wir die Vogeleinschläge bei unserer Pilatus im Heck. Trotzdem erwarte ich von Ihnen als Leser kein Mitleid, auch wenn der eine oder andere bereits gedacht hat „den Angerer lassen sie immer über Jagdflugzeuge oder Stilikonen schreiben, und der arme Huemer kriegt den Traktor“.
Zum einen sind wir sehr stolz auf unsere Porter. Zum anderen sind für Fallschirmspringer selbst die schlimmsten „Reisebedingungen“ nur halb so schlimm, denn wir steigen ja spätestens auf halber Strecke aus. Und die andere Hälfte der Reise möchte ich um kein Geld der Welt gegen die in einem Flugzeug tauschen, denn das Gefühl des freien Falls, der absoluten Freiheit im Raum lässt sich nicht überbieten. Womit wir wieder bei den grandiosen Flugeigenschaften meines Fallschirms wären … aber die wollte ich Ihnen ja ersparen.
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