Piper PA-18-150

Die Ausbildnerin

Sie wirkt wie ein Kanarienvogel in einem Schwarm von Raubvögeln: Zwischen all den Warbirds erscheint die gelb lackierte Piper PA-18-150 nicht zuletzt aufgrund ihrer geringen Größe wie das Kücken im Hangar-7. Kaum zu glauben, dass sie vielen Piloten trotzdem mehr Respekt einflöSSt als so manche ihrer Schwestern bei den Flying Bulls.

Die erstmals 1949 in Serie gefertigte PA-18 gehört zu den meistgebauten Flugzeugen ihrer Klasse und wurde anfangs als Schulflugzeug der US Navy eingesetzt. Eine sehr anspruchsvolle Ausbildnerin, die Sigi Angerer gerne mit einem Grinsen als natürliche Auslese unter den Flugschülern beschreibt. Das liegt zum einen an ihrer Konstruktion als Spornradflugzeug, die dem Piloten viel Gefühl bei der Landung abverlangt, will er keinen Kopfstand, Drehung oder Hopser riskieren. Zum anderen besaßen die ersten Modelle keine Landeklappen, was endgültig die Spreu vom Weizen trennte.

Dass Sigi trotzdem eine solche Maschine für seine Schüler anschaffte, sagt einiges über den Anspruch des Chefpiloten der Flying Bulls aus, schließlich hätte er sich das Leben als Fluglehrer auch leichter machen können. Das war vor rund 30 Jahren, als ihm eben ein solches Ex-Ausbildungsflugzeug der Navy und ehemaliges Luftbildflugzeug angeboten wurde. Flugzeuge mit Blechkleid standen zu dieser Zeit höher im Kurs als die Piper PA-18-105SP, deren Tragflächen und ein Großteil des Rumpfs lediglich mit lackierter Leinwand bespannt sind. Nach guten Verhandlungen wechselte die Maschine mit Baujahr 1953, 105 PS und 140 km/h Spitzengeschwindigkeit den Eigentümer. Flugbereit und in gutem Zustand für 50.000 Schilling, gerade mal rund 3.600 Euro! Christian Schwemberger-Swarovski und Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz lernten auf dem grau-gelben Oldtimer das Fliegen, später auch Sigis Sohn Daniel, der bereits mit neun Jahren auf dem Vordersitz flog.

Nach Aus-Flügen über ganz Europa – dafür eignet sich die leichte und sparsame PA-18 wie keine andere – war Dietrich Mateschitz ebenfalls vom Piper-Fieber infiziert und schaffte eine zweite an: Die gelbe PA-18-150, Baujahr 1989, verfügte bereits über 160 PS – und Landeklappen.

Mit den Warbirds, die zu den Flying Bulls kamen, fielen beide Pipers scheinbar in einen Dornröschenschlaf. Scheinbar. Denn Sigi bastelte an seiner Super-Piper für die Zeit nach seiner Pensionierung. Also bekam die alte Dame mit dem grauen Rumpf GPS, ILS (Instrument Landing System), Verstellpropeller, eine Treibstoffdurchfluss- und Kollisionswarnanzeige. Über einen Autopiloten denkt er – augenzwinkernd – noch nach. Dahinter steht ein Traum, der typisch für Sigi Angerer ist: Einmal mit der Piper nach New York zu fliegen. „Eine Piper braucht man, sonst nichts“, ist Angerers Motto. „Kein Sponsor, kein Traktor, keine Ground Crew sind notwendig.“ Nur gut fliegen muss man können – das aber würde er nie sagen, dazu ist er zu bescheiden.

Weiterführende Informationen

Sigi Angerer's Logbuch

Auf der Alm, da gibt‘s koa Sünd!

Oder doch?

Todsünde Nr. 1: Rückenwind
Todsünde Nr. 2: zu viel Fahrt
Todsünde Nr. 3: zu hoch
Todsünde Nr. 4: nicht volle Landeklappen

Macht alles nichts auf einem Flughafen, aber auf einem Berg! Warum? Neben meinem Landeplatz steht das beste Gasthaus mit der schönsten Wirtin und dem besten Koch der Welt: das Winterstellgut! Da lohnt sich eine Landung allemal. Zirka 200 Meter geht’s steil bergauf, da bleibt die Piper selber stehen. Dann kommt ein Knick im Gelände, danach ca. 60 Meter Ebene, dann ein Zaun und dann hohe, kräftige Fichten (und „Bäume verhandeln nicht“).

Meine Sünden wurden aufaddiert: Die Piper sitzt kurz vor dem Geländeknick auf, ich bremse, die Piper nicht! Sie ist beim Knick wieder in die Luft gehüpft, 60 cm weit Richtung Zaun – da hilft nur mehr ein „Groundloop“, also rechtes Seitenruder, Flugzeug leicht nach rechts aufgedreht, nun voll linkes Seitenruder, Grasbüschel fliegen herum, Piper dreht sich um 180° und bewegt sich schnell rückwärts! Vollgas und die Piper steht… pffff… Sechs Meter vorm Zaun! Mein tapferer Mitflieger Hans erwähnt, dass er sich nicht gefürchtet habe. Dieses Thema habe ich nicht besprochen, bin langsam zum Gasthaus gerollt, auf eventuelle Fragen antwortete ich: „Passt.“

Und das Essen war wirklich eine Sünde wert!

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